2019/04 Elfsaal-Nachbarschaft mit alten und neuen Nachbarn „Einfach mal Hallo sagen“ im Wochenblatt

JENFELD Ende Mai 2017 bezogen zahlreiche Flüchtlinge die neue Wohnsiedlung Elfsaal. Der Neubau der Flüchtlingsunterkunft löste Diskussionen in der unmittelbaren Nachbarschaft aus.
Familie Allers und Birgit Timmann, die seit über drei Jahrzehnten ein ruhiges Leben in Jenfeld führten, fanden sich auf einmal in einer großen Ratlosigkeit wieder. Sie durchlebten durch die zugezogenen Anwohner Umstellungen und Veränderungen.

Doch das Stimmungsbild inspirierte die Nachbarn zu mehr Offenheit gegenüber einer fremden Kultur. Anfänglich fühlten sich die Bewohner vom Neubau der Unterkunft völlig überrumpelt. So wurde die Nachbarschaft nur unzureichend über die Fertigstellung des Bebauungsplans informiert. Doch dann waren sie da: 1096 Flüchtlinge, die zu Hundertschaften tagtäglich an den Häusern ihrer Nachbarn vorbeizogen. „Im ersten Moment dachten wir: Was machen wir nun?“, erinnert sich Angelika Allers. Ein Verkauf des Hauses oder einfach die Rollos runterzuziehen waren für Familie Allers und Birgit Timmann Optionen , die nicht infrage kamen. So einigte man sich auf die dritte Möglichkeit. „Einfach mal Hallo sagen“. Ein entscheidender Impuls, durch den die Ausübung des Ehrenamts in der Flüchtlingshilfe zustande kam.

Vielfältige Aktivitäten Gegenwärtig ist der Kalender randgefüllt. Bernd Allers leitet einmal die Woche eine Männergruppe im Deutsch- Dialog. Ehefrau Angelika engagiert sich im Akten-Team sowie im Frauen-Café, während Nachbarin Timmann im Frauen-Treff der Unterkunft Elfsaal aktiv ist. Doch auch das Zusammenleben mit Asylbewerbern bleibt nicht von besonderen Herausforderungen verschont. „Wir führen immer noch einen Kampf gegen den Müll. Von der Stadt sind zusätzliche Müllbehälter aufgestellt worden. Nun sind wir damit beschäftigt, unsere neuen Mitbürger dafür zu sensibilisieren, diese Behälter auch zu benutzen. Am meisten leidet das Umfeld der Bushaltestelle, da dort regelmäßig gesäubert werden muss“, sagt Allers. Birgit Timmann registrierte zu Beginn wesentlich mehr Bewegungsaktivitäten in ihrem Umfeld.

Daraus ergaben sich Schwierigkeiten mit den überfüllten Bussen. Es bestehen also Erfahrungen in positiver wie in negativer Hinsicht. „Wobei die positiven Vorzüge durch das soziale Engagement eindeutig überwiegen“, betont Timmann. Das Wohnen neben Flüchtlingen ist für viele Nachbarn eine große Herausforderung. drei langjährige Anwohner haben ein Prinzip gefunden, das Vorbild sein sollte. Denn ein einfaches Hallo kann für die Entwicklung der Flüchtlingshilfe von großer Bedeutung sein.

von ANJA JUNGHANS- DEMTRÖDER

Der Artikel erschien im Wandsbeker Wochenblatt/3.4.2019